Grafik aus LokMagazin 87 (GeraMond Verlag GmbH)

Was wollen wir?
Wir wollen die 1909 entstandene, legendäre Schnellzuglok „Die schöne Württembergerin“, die Gattung C der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen als originalgetreuen Nachbau zurück auf die Schiene bringen. Die Lok wurde einst als Krönung württembergischen Lokomotivbaus von der Maschinenfabrik Esslingen gebaut und als der Stolz der Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen im hochwertigen Dienst bis hin zum Orient-Express eingesetzt. In Fachkreisen erregte die Lok eine große Aufmerksamkeit und wurde auf der Weltausstellung 1911 in Turin prämiert. Leider war Mitte der 50er Jahre das Bewußtsein für den Erhalt technikgeschichtlicher Museumsexponate noch nicht so weit ausgeprägt, so daß die letzte C im Februar 1956 verschrottet wurde.

Wie kam es zu dem Projekt?
Der Wunsch nach einer betriebsfähigen Schnellzuglok der Kaiserzeit besteht schon lange. Immer wieder wurden mehr oder weniger hoffnungsvolle Versuche zum Kauf oder zur langfristigen Leihe unternommen. Zweimal hatten wir eine Lok zum Greifen nah und dann scheiterte es doch in letzter Minute. Die Gründe waren sehr verschieden, begonnen bei Lokalpatriotismus, politischen Hemmnissen, über Pietät bis hin zur Sorge über den angeblichen Verlust der Originalsubstanz. Eine Wertung steht uns nicht zu, ist sie doch allein Sache der jeweiligen Eigentümer. So müssen diese Lok auch künftig immer noch - oder wieder - auf Sockeln verkommen oder in Depots unzugänglich verstauben.
Zwischenzeitlich schweiften die Gedanken auch in Richtung einer P10. Sie sind recht typisch für die Stuttgarter Region und aus einem der vorhandenen 22er-Rahmen durchaus rückbaubar, da auch hier beide Originale tabu sind. Mittlerweile gibt es andernorts hierzu sogar Ansätze. Bei uns kam dabei aber die Frage auf, warum bei so vielen Neubauteilen ein Fahrzeug entstehen zu lassen, das es eigentlich noch gibt. Womöglich werden wir in der zu erwartenden langen Bauphase durch ein Umdenken einer der beiden P10-Eigentümer überholt, entfällt der Status des Alleinstellungsmerkmals und scheitert das ganze Projekt schlußendlich auf halber Strecke. Nein, dann doch gleich etwas Einmaliges. Und überhaupt, wir sind in Württemberg, auf dem Gebiet einer Staatsbahn, die museal, gemessen an den erhaltenen oder gar restaurierten Fahrzeugen, leider nur eine Randerscheinung ist. Und wenn Badener, Bayern, Preußen und Sachsen nicht wollen oder können, dann müssen eben die Württemberger ran. Also, warum nicht gleich eine C, die „Schöne Württembergerin“? Soweit der Gedanke im Jahr 2007.
An eine Umsetzung wagten wir uns wegen der vielen Fragezeichnen nicht richtig. Entscheidend für die C-Gruppe war im Januar 2008 der Kontakt zum EK-Autor Rudolf Röder vom Arbeitskreis Eisenbahnhistorie Stuttgart. Auf einmal hatten wir einen Berg Zeichnungen und sogar die originalen Commissionsbücher der einzelnen Bauserien mit den Einzelteilauflistungen vor uns. Jetzt wurde das Projekt realistisch. Ein voreiliges Hurra sollte es unvorbereitet nicht geben und wir entschlossen uns zur offiziellen Bekanntgabe des Nachbauprojekts im hundertsten Jahr der Entstehung.

Warum dieses Projekt?
Für eine württembergische Reisezuglok gibt es kaum eine Alternative, so daß nicht lange um die Gattung gerungen werden mußte. Die C ist gegenüber den Ac, E, AD/ADh oder D ungleicher Sieger. Sicher fehlt auch eine T5 oder K, aber das soll einmal die Sache der nächsten Generation sein. Beginnen wir mit der Besten.
Im Vergleich zu den anderen großen deutschen Staatsbahnen der Kaiserzeit ist von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen (KWStE) fast nichts erhalten und somit Württemberg in der Museumslandschaft stark unterpräsentiert. Acht von nur dreizehn erhaltenen Staatsbahnlok stehen außerhalb von Württemberg. Die bedeutenden und für Württemberg typischen Gattungen des letzten Staatsbahnjahrzehnts fehlen fast gänzlich.
Für den projektierten Schnellzug aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, dessen Wagen bereits unrestauriert vorhanden sind, ist die Gattung C als Zuglok nicht nur erste Wahl, sondern auch ohne Alternative.

Welchen Zweck verfolgt das Projekt?
Die Lok soll einerseits als Museumsexponat den Höhepunkt des württembergischen Lokomotivbaus demonstrieren und als betriebsfähiges Exemplar als Botschafterlok für Können und Fleiß des Heimatlandes werben und der Tourismusförderung dienen. Die Lok soll nicht im normalen Museumsverkehr zum Einsatz kommen, sondern ausschließlich zu besonderen Anlässen oder im Zusammenhang mit einer ebenso hochwertigen, passenden Wagengarnitur im internationalen Vergleich als Premiumprodukt des deutschen Nostalgieverkehrs. 

Wieso jetzt?
Sicher ist die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht gerade der beste Zeitpunkt für ein derartiges Projekt. Aber das Jahr 2009 bringt uns ein passendes Doppeljubiläum. Der 100. Jahrestag der Auslieferung der Gattung C ist am 21. Juni und am 2. Juli gedenken wir an seinem 150. Geburtstag dem konstruktiven Vater der C, des württembergischen Obermaschinenmeisters Eugen Kittel.

Wie soll es werden?
Durchführung und Fortschritt des Nachbau-Projekts stehen zwangsläufig im direkten Zusammenhang mit den eingehenden Spenden. Neben der Sammlung der nötigen Finanzmittel sollen ebenso Firmen als Partner gefunden werden, die in Form von Patenschaften nach Angabe eigenverantwortlich Bauteile erstellen oder deren Finanzierung übrnehmen, die einmal in Zusammenarbeit mit einer zugelassenen Eisenbahnwerkstätte ein Ganzes werden sollen.

Zeit und Geld
Es wäre vermessen, hierzu eine verbindliche Aussage zu machen.
Ein vergleichbares Projekt in England hatte nach fast zwei Jahrzehnten 2008 ein erfolgreiches Ende. Nach jüngsten Veröffentlichungen soll der Nachbau der Peppercorn-Class A1 etwa drei Millionen Euro gekostet haben. Die Sachsen haben die erste sächsische Schmalspurlok von 1881 neu entstehen lassen. Innerhalb von drei Jahren haben sie die nötigen Mittel zusammengetragen, Firmen als kostenlose Lieferanten von Bauteilen gewinnen können und das Projekt mit der Inbetriebnahme der Lok 2009 realisiert. Aus der Erfahrung mit der Restaurierung jahrzehntelang abgestellter Fragmente mit Neufertigungen der wesentlichen Hauptbauteile kann mit einem Gegenwert von 3-5 Millionen € gerechnet werden. Dieser Wert gilt aber nur, wenn es notwendig wird, alle Bauteile voll kostenpflichtig bei Dritten in Auftrag zu geben. Rein technisch wäre die Lok in zwei, drei Jahren gebaut. Ein erstrebenswertes Ziel ist das 175jährige Jubiläum der Württembergischen Staatseisenbahnen 2020. Aber auch mit der nun wohl unvermeidlichen Realisierung von Stuttgart 21 wäre wenigstens noch einmal die Befahrung des jetzigen Hauptbahnhofs und der Panoramabahn als klassischer C-Strecke sehr wünschenswert.



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