Über die württembergische C sind zahlreiche Abhandlungen veröffentlicht worden, die dem fachlich Interessierten bekannt sind. Nachfolgend soll vielmehr in chronologischer und wenig detaillierter Form der Lebenslauf der Lokomotivgattung allgemeinverständlich dargestellt werden.
Die Beschaffung der C folgte der Forderung, den Reiseverkehr auf der Hauptstrecke Bretten-Stuttgart-Ulm zu beschleunigen. Die im Einsatz stehenden Lokomotiven der Gattung D waren den steigenden Zuglasten nicht mehr gewachsen und der Notbehelf Vorspann durch die Gattung AD/ADh nicht wirtschaftlich. Wegen den schwierigen topografischen Gegebenheiten der Strecke mit Steigungen und engen Kurven konnte eine Reisezeitverkürzung nur erreicht werden, wenn sich insbesondere auf den Anstiegen die Geschwindigkeiten merklich erhöhten. Dieser Anspruch konnte nur mit einer völlig neu konstruierten, schweren Schnellzuglokomotive erreicht werden.
2. April 1907 Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen (KWStE) bestellen fünf Lokomotiven nebst zugehörigen Tendern bei der Maschinenfabrik Esslingen (ME). Entsprechend dem geforderten Leistungsprogramm orientiert man sich an der bereits in Baden erfolgversprechend erprobten und in Bayern zur Beschaffung anstehenden Pacifik-Bauart mit Vierzylinder-Verbund-Triebwerk, geht aber konstruktiv eigene Wege.
21.Juni 1909 Die erste C wird ausgeliefert. Sie trägt die Bahnnummer 2001. Der ursprüngliche Liefertermin Oktober bis Dezember 1908 konnte für die erste Serie nicht gehalten werden. Bis zum August 1909 folgen die vier weiteren C als Bahnnummer 2002-2005.
4. August 1909 Versuchsfahrten mit Lok C 2003 auf der Strecke Mühlacker-Ulm mit einem Wagenzuggewicht von 373 t bei 43 Achsen.
5. August 1909 Versuchsfahrten mit Lok C 2003 auf der Strecke Mühlacker-Ulm mit einem Wagenzuggewicht von 408 t bei 47 Achsen.
6. August 1909 Versuchsfahrten mit Lok C 2003 auf der Strecke Mühlacker-Ulm mit einem Wagenzuggewicht von 478 t bei 55 Achsen. Bei allen Versuchsfahrten zeigte sich eine deutlich höhere, als geforderte Leistung, ein wirtschaftlicher Verbrauch und eine vorzügliche Laufruhe.
Herbst 1909 Mit Beginn des Winterfahrplans wird für die fünf C ein eigener Dienstplan aufgestellt. Bislang wurden die C in den vorhandenen, leichteren Diensten nur eingefahren. Neben dem hochwertigen Verkehr zwischen Bruchsal und Ulm gibt es zudem einen Durchlauf nach Heidelberg. Beheimatet sind die C, wie alle nachfolgenden Lieferungen, zunächst ausschließlich bei der Betriebswerkstätte Stuttgart am Nordbahnhof.
24. Oktober 1909 Die KWStE bestellt bei der ME weitere sechs C.
28. November 1910 Die KWStE bestellt bei der ME weitere vier C.
1911 Bis zum April werden die C 2006 bis 2011 ausgeliefert.
1911 Die auf der Internationalen Industrie- und Gewerbeausstellung in Turin ausgestellte Lok C 2011 wird prämiert.
Januar 1912 Bis zum 1. Februar 1912 werden die C 2012 bis 2015 ausgeliefert.
28. Januar 1912 Bestellung der Serie C 2016 bis 2020 bei der ME.
1. Februar 1913 Bestellung der Serie 2021 bis 2024 mit Fremont-Ausschnitten an den Kurbeln der Kropfachsen.
Frühjahr 1913 Auslieferung der C 2016 bis 2020 an die KWStE.
13. Januar 1914 Bestellung der Serie C 2025 bis 2028.
3. März 1914 Erstmals werden zu den C 2025 bis 2028 größere vierachsige Tender bestellt, die künftig bei allen nachfolgenden Lieferungen Verwendung fanden.
Frühjahr 1914 Auslieferung der C 2021 bis 2024
5. Juni 1914 Bestellung der C 2029 mit Speisewasservorwärmer für die Austellung in Düsseldorf 1915.
18. Juli 1914 Mit der Bestellung von fünf Tendern der Type II beginnt die Umrüstung der bereits vorhandenen C mit den Tendern der Bauart Ic, die bis 1919 abgeschlossen wird.
1915 Bis zum 19. Juni 1915 wird die Serie C 2025 bis 2028 ausgeliefert.
13. Dezember 1915 Auslieferung der C 2029. Die geplante Düsseldorfer Ausstellung wurde wegen des Ersten Weltkriegs nicht realisiert.
6. März 1917 Bestellung der Serie C 2030 bis 2036 mit flußeiserner Feuerbüchse.
1917-1919 Nach Ertüchtigung weiterer Strecken für höhere Achslasten kann die C nun auch auf der Gäubahn von Stuttgart über Horb und Rottweil nach Immendingen und über Heilbronn nach Würzburg zum Einsatz kommen. Jetzt sind auch Durchläufe bis München nachgewiesen.
1919 Im Rahmen der Waffenstillstandsabgaben müssen vier C abgegeben werden. Die C 2010 gelangt zur Polnischen Staatsbahn (PKP) und heißt fortan Om101-1. Frankreich erhält die C 2001, 2026 und 2027, die bei der Staatsbahn (ETAT) die Betriebsnummern 231-997 bis 999 erhalten.
1919 Auslieferung der Serie C 2030 bis 2036.
10. November 1919 Bestellung der Serie 2037 bis 2041 mit Kupferfeuerbüchse.
1. April 1920 Staatsvertrag zur Gründung der Deutschen Reichseisenbahnen bei gleichzeitiger Übernahme der Staatsbahnen der Länder.
Sommer 1921 Auslieferung der letzten Serie C 2037 bis 2041. Die C 2041 trägt die Jubiläumsfabriknummer 4000 der Maschinenfabrik Esslingen.
1924 Gründung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.
3. Juni 1925 Der endgültige Plan für die Umzeichnung der ehemals württembergischen Lokomotiven tritt in Kraft. Die Gattung C wird zur Baureihe 18.1 und die Lokomotiven fortlaufend als 18 101 bis 137 bezeichnet.
Die Maschinenfabrik Esslingen
Eine zeitgenössische Beschreibung der Maschinenfabrik Eßlingen finden wir in „Die Lokomotive“ im Juli-Heft 1911:
"Die Maschinenfabrik Eßlingen, eine der ältesten Lokomotivfabriken Deutschlands, wurde im Jahre 1846 durch Emil Kessler gegründet, der schon 1841 in Karlsruhe die erste Lokomotive gebaut hatte. Die Fabrik, welche sich von Anfang an mit der Herstellung von Eisenbahnbetriebsmitteln und sonstigem Eisenbahnbedarf befasste, erzeugt hauptsächlich Lokomotiven jeder Größe, als Spezialität Zahnradlokomotiven, Kranlokomotiven, Kleinlokomotiven und Dampftriebwagen für einmännige Bedienung, ausgerüstet mit Kessel „Kittel“, ferner Personen-, Post-, Gepäck- und Güterwagen sowie Rollböcke System „Langbein“ zum Transport von Breitspurwagen[sic] auf Schmalspurgleisen. Die Konstruktion der Dampftriebwagen und ebenso diejenige der Rollböcke wurde vom Verein deutscher Eisenbahn-Verwaltungen preisgekrönt. Für Eisenbahnbedarf fertigt die Fabrik ferner Strecken-, Sicherungs- und Signalanlagen, Schiebebühnen und Drehscheiben, insbesondere mit elektrischem Antrieb, sowie Eisenkonstruktionen jeder Art, wie Brücken, Bahnhofhallen und dergl. Seit dem Jahre 1882 bildet die Lieferung des Oberbaues und der betriebsmittel für Berg- und Seilbahnen eine Spezialität der Fabrik; sie liefert dieselben für Dampf und elektrischen Betrieb und besitzt in dieser Spezialität die weitgehendsten Erfahrungen, zumal sie von jeher in engster Verbindung mit den Erfindern der verschiedenen Zahnradsysteme, Riggenbach, Abt und Strub, stand. Die erste Lokomotive nach Abtschem System ist aus der Maschinenfabrik Eßlingen hervorgegangen und wurde im Jahre 1885 für die Harzbahn Blankenburg-Tanne von ihr konstruiert und geliefert. Die Maschinenfabrik Eßlingen gehört auch zu den ältesten Fabriken der elektrotechnischen Branche und sie besitzt in Kannstatt hierfür eine eigene große Werkstätte, sie fertigt daselbst Dynamomaschinen und Elektromotoren bis zu den größten Leistungen und widmet sich dem Bau ganzer Elektrizitätswerke sowie den bau von Hebezeugen mit elektrischem Antrieb. Im Jahre 1902 hat sich die Maschinenfabrik Esslingen die weitbekannte und altrenommierte Maschinenfabrik von G. Kuhn in Stuttgart-Berg angegliedert und verschaffte damit dem schon früher von ihr gepflegten Bau von Dampfmaschinen, pumpen, stationären Dampfkesseln, Eis- und Kühlmaschinen, Luftkompressoren, eine beträchtliche Erweiterung. Die jetzt in Esslingen, Kannstatt und Stuttgart-Berg zerstreut liegenden Betriebe werden zurzeit auf einem in der Nähe von Esslingen gelegenen 250.000 m2 großen Areal vereinigt. Die überbaute Fläche dieser neuen Fabrik wird 70.000 m2 umfassen. Hervorzuheben ist noch, daß die Maschinefabrik Esslingen im Jahre 1887 eine Zweigniederlassung in Saronno bei Mailand (Italien), „Costruzioni Meccaniche Saronno“, gründete, welche Fabrik sich fast ausschließlich mit dem Bau von Lokomotiven und Güterwagen befaßt. In Saronno sind 800 Arbeiter und Angestellte beschäftigt und 3000 in den deutschen Betrieben. Bis zum Jahre 1911 wurden geliefert: 4200 Adhäsionslokomotiven, auch Heißdampflokomotiven, 180 Zahnradlokomotiven der verschiedensten Systeme, 145.000 m Zahnstangen, 9500 Eisenbahnwagen, 240 Paar Rollböcke, 21 Drahtseilbergbahnen für Personenbeförderung, 400 elektrisch betriebene Krane für jede vorkommende Last, darunter 25 Stück zum Heben kompleter[sic]Lokomotiven, 260 elektrisch angetriebene Schiebebühnen, Drehscheiben und Spills, 4600 Dampfmaschinen mit zusammen 182.400 PS, 4200 Dampfkesselanlagen, ferner eine große Anzahl an Elektrizitätswerken und sonstige elektrische Anlagen. "